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Die Himmelsscheibe von Nebra

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Die offizielle Deutung
Bei der Himmelsscheibe handelt es sich nach der offiziellen Deutung um die erste echte Dokumentation der Vorstellung, wie sich bronzezeitliche Kulturen das sie umgebende Universum ausmalten, womit gleichsam viele Steinsetzungen aus der Epoche aufgewertet und in einen astronomischen Kontext gestellt werden. Gleichsam wurden schon Stimmen laut, die eine einheitliche astronomische Ausrichtung aller Steinsetzungen und Gräber nach astronomischen Gesichtspunkten apostrophieren.

Nach der Interpretation durch Prof. Schlosser soll vor allem die Darstellung der Plejaden eine überregionale Bedeutung haben, da sie bei vielen prähistorischen Kulturen und solchen der Vorantike als Symbol für Ackerbau und Schifffahrt galten. Dass es einen kulturellen Austausch zwischen den Völkern auch schon zur Bronzezeit gegen haben, wird nicht unbedingt bestritten, schließlich wurden aus den alten Wanderwegen die späteren Pilgerpfade. Außerdem hat schon Hesiod im 8./7. Jahrhundert v.u.Z. (= vor unserer Zeitrechnung) in seiner Schriftensammlung „Werke und Tage“ auf das Siebengestirn hingewiesen.

Welche der verschiedenen frühbronzezeitlichen Kulturen der oder die Hersteller der Himmelsscheibe indes angehörten, darüber wird sich interessanter Weise ausgeschwiegen. Um herumstreifende Nomaden kann es sich auch nicht gehandelt haben, da der Fundort gut 1000 Jahre lang genutzt worden sein soll, wofür auch immer.

Bei einem Alter der Himmelsscheibe von 3600 Jahren muss sie am Ende der frühen Bronzezeit (2200 bis 1500 v.u.Z.) etwa um 1600 v.u.Z. entstanden sein, was auch nicht bezweifelt wird. In diese Epoche fielen beispielsweise die Aunjetitzer Kultur, die zwischen 2300 und 1600/1500 v.u.Z. im böhmischen Raum beheimatet war, die Ries- bzw. Neckar-Gruppe, die zwischen 2300/2200 und 1800 v.u.Z. im Bereich des Nördlinger Ries siedelten, und die Dolchkultur von etwa 2300 bis 1600 v.u.Z., benannt nach Funden von Feuersteindolchen. Zur gleichen Zeit erlebten Kreta (2000-1400 v.u.Z.) und Mykene (1600-1200 v.u.Z.) ihre Blütezeit.

Des Weiteren geht Prof. Schlosser in seiner Analyse davon aus, dass nur die sechs Sterne, die das Siebengestirn wiedergeben, bewusst angebracht wurden, alle anderen Sterne jedoch keinen Bezug zur Realität aufweisen. Außerdem deuten die gegenseitigen Positionen von Mondsichel und Plejaden darauf hin, dass es sieben Tage später zu einer Mondfinsternis gekommen war. Das wiederum würde bedeuten, dass es vertiefte Kenntnisse über die Entstehung von Mondfinsternissen schon zur Bronzezeit gegeben haben könnte.

Die am Rande aufgetragenen Horizontalbögen sollen Auf- und Untergangspunkte der Sonne zwischen dem 21.6. und dem 21.12. sowie den realen Horizont darstellen. Ein weiterer geschwungener Bogen wird als „Sonnenbarke“ gedeutet: Ein Schiff, auf dem des Tags der Sonnengott über den Himmel fuhr. Diese Vorstellung ist nicht neu und sowohl im altägyptischen, als auch im babylonischen Kulturkreis anzutreffen. Einen kulturellen Austausch zwischen dem ostmediterranen Raum und den bronzezeitlichen Kulturen in Mittel- und Nordeuropa hat es mit Sicherheit gegeben, wie Funde in verschiedenen Regionen belegen. Daher wäre eine Übernahme der Symbolik nicht ungewöhnlich. Man kann diese Gravur aber auch als Beginn einer Astralreligion werten.

Vom Fundort der Himmelsscheibe inmitten der Wallanlage aus, konnten im Laufe eines Jahres verschiedene Sonnenuntergangspunkte zwischen dem Brocken, dem Kulpenberg im Harz und dem höchsten Gipfel des Kyffhäusers anvisiert werden. Daraus ergäbe sich danach zusammen mit der Kuppe des Mittelberges bei Nebra einen großen astronomischen Kontext, der für die frühe Bronzezeit nicht ungewöhnlich gewesen sein soll.

  
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